Lukas' Reise nach Bolivien

 

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Glauben

Kam der katholische Glaube erst mit den Spaniern nach Bolivien, ist er hier sehr verbreitet und wichtig. Das sieht man im kleinen, wie zum Beispiel an Beschriftungen auf Bussen. Oder daran, dass viele Menschen sich hier bekreuzigen, wenn der Bus an einer Marienstatue vorbeifaehrt.

Oder man sieht es in der Messe, die man sonntags Besucht. Auch ich war bisher beide Sonntage mit meinen Gasteltern in der Kirche. Die Messe unterscheidet sich nicht wesentlich von der in Koblenz, aber kleine Dinge machen den grossen Unterschied. 

Die Kirche ist voll, mit jungen und mit Alten Menschen. Die Musik kommt von einer Gruppe, die sich auf der Empore versammelt. In meiner Kirche gibt es keine Orgel, sodass immer jemand Gitarre spielt, einer oder mehrere Leute dazu singen und manchmal jemand Klavier spielt. Die Musik laed mich zum mitwippen und mitsingen ein, obgleich ich den Text nicht kann.

Die Fuerbitten werden von verschiedenen Besuchern der Messe vorgetragen, sodass aus verschiedenen Stellen der Kirche verschiedene Stimmen um verschiedenes bitten. Das gefaellt mir besser, als das Vortragen von der Kanzel. Das Vaterunser wurde einmal in ein Lied ueber la Paz, also ueber den Friede eingebaut. Da haben sich alle an den Haenden gehalten und ploetlich waren alle Menschen verbunden. Nach dem Vaterunser wurde das Lied wieder lauter. Wenn man sich den Frieden wuenscht, dann wuenscht man ihn nicht nur der eigenen Sitzreihe, sondern auch allen in der Reihe vor einem und hinter einem.

Interessant finde ich, dass es hier kein Gotteslob gibt. Fuer die gesamte Diosoese werden jede Woche neue Liedblaetter gedruckt.

Ich besuche hier sehr gerne die Messe, weil ich mich da sehr wohl fuehle und es fuer mich ein Ablauf ist, der gewohnt ist. Ploetzlich bin ich ein Teil des Ganzen und verstehe, was passiert, ohne dass ich die Texte verstehe: Die Gemeinschaft wird gefeiert und es wird gedankt.

Ich danke dieser Gemeinschaft, die so viel fuer mich tut.

18.9.12 02:44


Gracias a la vida

Heute ein Lied, gesungen von Mercedes Sosa. Ueber grosse Dankbarkeit.
 
 
 
 Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir zwei Augen, um deutlich zu trennen
das Weiße vom Schwarzen; die Welt zu erkennen,
den sternklaren Grund überm endlosen Himmel
und denjenigen, den ich liebe im Menschengewimmel.

Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir zwei Ohren, die Welt zu erlauschen,
Gesang von Zikaden, des Regenguss' Rauschen,
Geräusch von Turbinen, vom Hämmern an Bauten,
die zärtliche Stimme des lange Vertrauten.

Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir die Stimme, es gab mir die Laute,
so konnte ich rufen, den, dem ich vertraute:
die Mutter, den Freund und den Bruder zu finden,
den Weg zu der Seele des Liebsten ergründen.

Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir zwei Füße, um sie zu benützen,
so laufe ich müde durch Städte und Pfützen,
auf Berge, durch Wüsten, so heiß ohnegleichen,
dein Haus, deine Strasse, um dich zu erreichen.

Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir mein Herz, und das klopft zum Zerspringen,
will ich die Früchte des Geistes besingen,
seh ich wie weit ist das Gute vom Bösen,
seh ich deine Augen und kann mich nicht lösen.

Ich danke dem Leben, das mir so viel gegeben:
Es gab mir mein Lachen, es gab mir mein Weinen,
und lässt mich das Glück von dem Leid unterscheiden,
mein Lied ist aus diesen zwei Quellen entsprungen,
mein Lied für mich selber und für euch gesungen,
mein Lied für mich selber und für alle gesungen.

Gracias a la vida, gracias a la vida. Gracias a la vida.
 
(Text von Violeta Parra, Übersetzung ins Deutsche aus www.lehrer-online.de)
13.9.12 00:57


Wie Lukas Spanisch lernt

Wie ihr wisst, bleibe ich rund 13 Monate hier - davon sind 12 Monate im Projekt eingeplant und 1 Monat ist fuer einen Sprachkurs vorgesehen. Und den habe ich seit vergangenem Dienstag, mit Simone und Maria (als Lehrerin). Der UNterricht findet bei Maria statt, die recht weit im Zentrum wohnt. Zu Ihr fahre ich mit dem Bus. Wir haben morgens und nachmtitags jeweils zwei Stunden Zeit, in denen wir uns bemuehen, viel zu lernen.

Maria ist dabei sehr abwechslungsreich und mir gefaellt die Art sehr gut, wie sie unterrichtet. Wir schreiben viel auf eine kleine Tafel, die man wieder auswischen kann. Ausserdem hat Maria eine riesige Auswahl an Materialen. Wir lernen mit Landkarten, Kochbuechern, Schreiblernheften fuer Grundschuelern, etc. Heute ging es um den menschlichen Koerper. Dafuer hatte Maria ein Skelett-Puzzel besorgt, welches wir dann beschriftet haben.

Hier die Tafel mit ein paar Saetzen ueber Bolivien. Uebers Land bringt Maria uns auch die ein oder andere Sache bei, die wir noch nicht wussten.

Ausserdem gibt es immer eine Hausaufgabe. Meistens besteht die darin, einen Teil aus einem Heft mit Fabeln zu uebersetzen. Und eine solche moechte ich Euch heute mit auf den Weg geben:

 

Sandra, la girafa baja 

Es war einmal eine Giraffe genannt Sandra, die dafuer bekannt war, die kleinste Giraffe zu sein, die jemals existiert hat. Alle machten sich ueber sie lustig, weil sie nicht so einen langen Hals hatte, wie die Anderen.

"Es ist so ungerecht", protestierte Sandra, "warum gehen alle so an mir vorbei? Wieso wachse ich nicht, wie meine Freundinnen?"

Die Mutter dieser kleinen Giraffe, muede vom Hoeren des Gejammers, sagte ihr: "Du musst nicht besorgt sein, alle waren in irgendeinem Moment klein. Bald waechst Du. DU musst diese Zeit hier nutzen und die Vorteile Deiner Statur geniessen!"

"Ich glaube nicht, dass klein sein Vorteile hat", antwortete Sandra ausser sich. "Nein?" fragte die Mutter, "denk gut nach". Sandra dachte und dachte, aber es geschah nichts.

"An den sehr sonnigen Tagen", argumentiert Mama Giraffe, "sind die Blaetter der Baeume, die sie dir geben, noch im Schatten. Die Deiner grossen Freundinnen hingegen nicht."

"Vielleicht hat meine Mama Recht", dankt Sandra und beginnt, die Vorteile ihrer kleinen Statur zu nutzen. In den folgenden Tagen genoss Sandra den Schatten der Baeume und ass die Blaetter, die ihre Freundinnen nicht essen konnten, weil sie zu gross waren. Um zu zeigen, wie gluecklich sie mit ihrer Groesse war, hoerte sie uebrigens erst auf zu essen, als es einen Mangel an Blaettern gab.

 

La Moraleja - die Moral:

Geniesse die Gegenwart! Jede Etappe Deines Lebens ist besonders und hat ihr Schoenes.

 

("Frei uebersetzt" aus: Fabulas para antes de dormir, Rosina, la Foca desenfocada. eme-Verlag, 2008, Uruguay. ISBN: 978 9974 692 97 8)

 

Bis die Tage,

Lukas

11.9.12 01:57


Stufen - Hermann Hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

8.9.12 02:07


Worte ueber mein Befinden

Ihr Lieben,

 ich bin nun seit zwei Tagen in La Paz. Ich lebe in einem etwas ausserhalb gelgenen Viertel, in Achumani. Von hier aus fahre ich ca. 30 Minuten mit dem Taxi und ca. 40 Minuten mit dem Micro-Bus zum Buero der Hermandad, die hier fuer mich zustaendig ist und zu meiner Sprachlehrerin.

Der Verkehr macht mir hier grossen Spass. Zunaechst scheint alles sehr wirr, wenn man ein deutscher Fahranfaenger ist. Aber: Ich habe mich nie so sicher gefuehlt, ohne Anschnallgurt (die sind auf der Rueckbank nicht vorhanden und werden vorne nicht benutzt), denn der Bolivianer beherrscht sein Auto.

Micro-Busse sind fuer mich das schoenste Vortbewegungsmittel. Diese kleinen Busse fahren bestimmte Routen, halten aber wo und wann man will. Der Fahrer hat dabei die volle Beherrschung, der Kassierer ruft immer mal wiweder aus dem Fenster die Route aus. So kommt es, dass staendig neue Menschen einsteigen. Auf 15 Plaetze passen dann schonmal 17 Menschen. Wenn man aussteigen moechte ruft man laut "Parada, por favor! (Haltestelle, bitte!)" Das alles verursacht in mir ein Gefuehl, was ich mit der Kulisse dieser Stadt und all den freundlichen, geduldigen Menschen als Glueck beschreiben wuerde.

Heute hat mein Sprachkurs angefangen. Wir, Simone und ich, haben jeden Tag zwei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags, um gemeinsam mit Maria Spanisch zu lernen. Wie ich mich freue, bald richtig mit den Menschen sprechen zu koennen!

 Jetzt ein Paar Fotos, damit Ihr wisst, wie es hier ausschaut.

 

 
Madrid - Bogota
 
 
 
Der wunderbare Ausblick auf einen der Felsen, die hier die Stadt eingrenzen.
 
 
 
Mein Zimmer mit dem Ausblick, den das Foto drueber zeig.
 
 
 
Eine Strasse in der Naehe meines Hauses mit einem der tollen alten Autos (hier gibt es sie noch: Unendlich viele Kaefer, VW-Bullies...)

 

5.9.12 00:01


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